Kopfschmerzen und Migräne

Kopfschmerzen und Migräne

Akupunktur wird von der WHO in der Liste der empfohlenen Therapieformen für Migräne und andere Kopfschmerzformen geführt. Aufgrund von Forschungsstudien aus Deutschland (z.B. GERAC-Studie, 2006) wird Akupunktur von den gesetzlichen Krankenkassen als wissenschaftlich nachgewiesen wirksame Behandlungsform betrachtet.

Eine Kombination mit weiteren Formen der asiatischen Medizin (Kräutertherapie, Moxa, Ernährungstherapie) kann die Wirksamkeit deutlich erhöhen.

Kopfschmerzen lassen sich im Wesentlichen in drei Hauptgruppen Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz und Migräne unterscheiden.

Spannungskopfschmerz

  • Beginn meist mit eher leichten Schmerzen, die sich (oftmals schleichend) steigern.
  • Häufig durch leichte Schmerzmittel behandelbar
  • Schmerz ist normalerweise beidseitig und kann sich über den ganzen Kopf ausbreiten.
  • Im Vergleich zur Migräne nicht so stark in der Lebensführung einschränkend.
  • Betroffene sind meist noch arbeitsfähig.
  • Entsteht häufig aufgrund starker Muskelverspannungen bzw. haltungsbedingter, skeletal oder emotional bedingter Ursachen. 
  • In der Regel leichter zu behandeln als Migräne.

Clusterkopfschmerz

  • Die Schmerzen kommen in Schüben mit zeitlichem Muster (Cluster).
  • Die Phasen mit Schmerzattacken dauern für Tage, Wochen oder Monate an, dann schmerzfreie Perioden.
  • Es sind mehr Männer als Frauen betroffen.
  • Schmerz kommt plötzlich und hält typischerweise für 30 Minuten bis 1 ½ Stunden an, ist meist klar einseitig, sehr intensiv und in der Lebensführung stark einschränkend.
  • Betroffene haben oft Bewegungsdrang und Ruhelosigkeit.
  • Während der Schmerzattacken ist meist eine absolute Unterbrechung aller Aktivitäten und (schulmedizinisch) eine Einnahme von starken Schmerzmitteln erforderlich. 

Migräne

  • Migräne entsteht aus schulmedizinischer Perspektive durch eine Kombination von Gefäßveränderung im Kopfbereich und Ausschüttung chemischer Substanzen durch Nervenfasern.
  • Während der Schmerzattacke erweitern sich Arterien im Kopfbereich. Diese Erweiterung dehnt die Nerven, die sich um das Gefäß winden. Die Nerven setzten Botenstoffe frei, was zu einer zusätzlichen Erweiterung der Gefäße führt.
  • Diese Vorgänge führen zu intensiven Schmerzreizen.
  • Mehr Frauen als Männer sind betroffen. Eine Schmerzattacke dauert normalerweise 4 bis 72 Stunden.

Typische Symptome von Migräne:

  • 40 - 60% der Betroffenen haben vor den Anfällen Vorzeichen (Aura): Müdigkeit, Erregbarkeit, depressive Verstimmung, Euphorie, Verlangen nach bestimmten Geschmacksrichtungen oder visuelle Vorzeichen wie Veränderung des Sehfeldes oder Farbensehen
  • Intensiver, pulsierender, pochende Kopfschmerzen, meist deutlich einseitig.
  • Schmerzort im Schläfen- oder Stirnbereich, um oder hinter den Augen oder am Hinterkopf
  • Die Schmerzen können während der Attacken den Ort wechseln.
  • Zusätzliche Symptome wie Schwindel, Erbrechen, Durchfall, bleiches, fahles Gesicht, kalte Hände und Füße, Licht- oder Lärmempfindlichkeit
  • Bei manchen Betroffenen können klare Auslöser identifiziert werden beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke, starke Gerüche und Geschmäcker, Schlafmangel, emotionale Belastungen, Überhitzung oder Flüssigkeitsmangel.
Akupunktur bei Kopfschmerzen und Migräne

Wie bei allen anderen Erkrankungen und Beschwerden spielt die schulmedizinische Diagnose in der asiatischen Medizin eine untergeordnete Rolle beispielsweise die Festlegung auf eine der oben genannten Kopfschmerzformen. Aus den Symptomen des Kopfschmerzes und weiteren Begleitumstände und -zeichen, die auf den ersten Blick scheinbar keinen Zusammenhang mit den Kopfschmerzen haben, wird eine Diagnose nach der asiatische Medizin gestellt. Ziel ist, ein Muster des energetischen Ungleichgewichts zu identifizieren. Aus der Festlegung auf ein Muster leitet sich dann die Behandlungsstrategie ab.

Dafür wird die Problematik bei jedem Patienten individuell analysiert. Dabei sind eine Reihe von Fragen zu klären, beispielsweise:

  • Wo ist der genaue Ort der Kopfschmerzen? (Stirn, Schläfen, Schädeldach etc.)
  • Wie sind die Schmerzen? (stechend, pulsierend, drückend)
  • Gibt es wichtige Auslöser oder Begleitumstände? (Wetter, Stress, Menstruation, Allergien, Alkohol usw.)
  • Gibt es Faktoren, die die Beschwerden bessern? (Wärme, Kälte, Massagen, Bewegung usw.)

Energieblockade oder Energiemangel?

Viele Kopfschmerzen entstehen aus Sicht der asiatischen Medizin durch ein zu starkes Aufsteigen von Energie zum Kopf beziehungsweise durch einen Mangel an notwendigem Absinken des Qi, also durch eine Blockade des Energieflusses. 

Wird dies festgestellt, sollte die Energie in Fluss gebracht und abgesenkt werden. Dies kann mittels Akupunktur oder Kräutertherapie erreicht werden.

Eine zweite häufige Möglichkeit ist Energiemangel (Leere-Syndrom). Dann gelingt es dem Körper nicht, den Kopfbereich in ausreichendem Maß zu versorgen, was in Konsequenz zu den Beschwerden führt.

Kopfschmerz aufgrund von Energiemangel zeigt sich oft in Zusammenhang mit extremer Erschöpfung, Müdigkeit, Schweregefühl im Kopfbereich oder Verbesserung durch Ruhe, Erholung, Druck oder Berührung. In diesen Fällen wird eine Behandlungsstrategie benötigt, bei der Energie zugeführt wird. In der traditionellen Vorgehensweise wendet man dazu häufig Moxa und energiezuführende Kräuterkombinationen an.

Betroffene Meridiane identifizieren

Je nach Ort der Schmerzen können verschiedene im Kopfbereich verlaufenden Meridiane betroffen sein, zum Beispiel:

  • Bei Schmerzen im Stirnbereich sind häufig Magen- oder Blasenmeridian betroffen.
  • Schläfenkopfschmerz weist auf Leber-, Gallenblasen oder Blasenmeridian hin.
  • Schmerzen am Schädeldach, zentral innen im Kopf oder hinter den Augen deuten auf den Lebermeridian.
  • Schmerzen im Nackenbereich werden dem Blasenmeridian zugeordnet.

Aus diesen Informationen zusammen mit den Befunden aus der traditionellen asiatischen Zungen-, Puls- und Bauchdeckendiagnose wird eine ganzheitliche Diagnose erstellt und ein Behandlungskonzept für Akupunktur und Kräutertherapie entwickelt.

Meine Erfahrung: Die schnellsten Verbesserungen habe ich in meiner Praxis mit dem vergleichsweise einfachen Prinzip der koreanischen Akupunktur erreichen können: Der Schmerzort weist auf den zu behandelnden Meridian hin. Diesen Ansatz kombiniere ich mit einer Behandlung schmerzhafter Verhärtungen von Schulter- und Nackenmuskulatur, die sich bei fast allen Patienten mit Kopfschmerzerkrankungen finden. Für eine langfristige Therapie nutze ich geeignete Kräuterrezepturen. Bei Kindern und jungen Patienten können sich häufig rasche Erfolge einstellen. Bei älteren Patienten, auch wenn jemand schon seit Jahren oder Jahrzehnten an Kopfschmerzen leidet, ist oft eine längere, kontinuierliche Behandlung notwendig, um die Beschwerden unter Kontrolle zu bekommen.


  News / Aktuelles

Fortbildung für Fachkreise mit Dr. Andreas Brüch: Introduction to Korean SaAm-Acupuncture, 19. Juli, University of Westminster, London

Zu den News

Akupunktur?
Keine Angst vor Nadeln!

Akupunktur interessiert Sie, scheint Ihnen aber unangenehm und schmerzhaft? Sie trauen sich nicht? Das muss nicht sein.

Mehr erfahren

Sie befinden sich auf: Anwendungsgebiete » Kopfschmerzen und Migräne